Das Wort Innovation ist längst eingegangen in die Liste der inflationär gebrauchten Worte. Das hat damit zu tun, dass Innovation eine ungemeine Faszination auf viele Menschen, vor allem auf Marketingstrategen, ausübt. Und hier findet man auch den Beginn des Verfalls des Ausdrucks Innovation. Die der Marketingkommunikation immannenten Kolonialisierungsbestrebungen offenbaren sich auch hier in kräftiger Blüte. Dies äußert sich darin, dass sich zahlreiche sogenannte Innovation Consultants, Innovation Manager den Unternehmen anbieten und für die Weitergabe ihres gefährlichen ‘Hoheits’-Wissens enorme Tagessätze verlangen. Was wird angeboten? Workshops. Zum Thema Innovation. Und klar. Sie werden gebucht, diese Workshops. Ganz oft jedoch aus ganz anderen Gründen als den augenscheinlichen. Es gibt Meetings, Workshops, da kommen 20 Mitarbeiterinnen von Unternehmensseite. Sie kommen vom Standort de Unternehmens, meist kleinen Dörfchen, die im Grunde nur aus dem einen Unternehmen bestehen und daher nicht gerade Vielseitigkeit, sondern eher graue Monotonie ausstrahlen. Sie buchen einen Workshop zum Thema Innovation. Kann man ja immer gebrauchen, dieses Innovative ne? Und dann hopsen sie los. Klassenfahrt. In eine Metropole. Nach Berlin. Gebucht werden auch nette Hotels und die Highlights sind schon vorprogrammiert. In einem angesagten Laden essen gehen. Und später auch natürlich trinken. Kein gezapftes ‘kühles Blondes’ wie im Dörfchen. Ne, in Berlin wird dann Moscow Mule getrunken. Mit Ginger Beer versteht sich. Und der Workshop? Ach ja, das war der eigentliche Grund. Sie gehen da hin, lassen sich Tee, Kaffee und Wasser einschenken und hören der Keynotegestüzten Präsentation zu. Meist mit ihren iPhones in der rechten Hand unterm Tisch. Sie müssen ja ihren alten Bekannten schreiben, dass sie in Berlin sind und sich schon freuen, mal richtig einen drauf zu machen. Die ‘Innovation Manager’ – der Ausdruck selbst ist ein Paradoxon in sich– verkünden ihr Halbwissen. Zum Beispiel durch Sätze wie: “wir müssen heute interdisziplinär und multiperspektivisch an Problemstellungen herangehen, um hieraus Ansätze hervorbringen zu können, wodurch langfristiger komparative Vorteile im Markt zu erreichen sind”. Und dann werden in der interaktiven Runde die Teilnehmerinnen einbezogen und sie sollen auf ein Flipchart vorformulierte Fragen beantworten. ‘Was können wir neues machen?’ ‘Was ist für mich die beste Innovation?’… Sobald da irgendetwas Spannendes gehört wird, ist die Erwartungshaltung der Teilnehmerinnen schon übertroffen und die gesamte Klassenfahrt kann dann durch diesen einen Punkt schön postrationalisiert werden. Meeting/Workshop vorbei. Juhuuu. Berlin!
Ein Moscow Mule, bitte. Mit Ginger Beer.